Gedichte VI
Kind
Gleich einer
Saite
die den Klang vom Paradies
noch in sich trägt
bist
DU
in diese Welt
gekommen
und
wie kleine Tropfen
aus einer anderen Zeit
fällt
unsere Welt in
DICH
hinein
bittere und süsse
manchmal
weinst du
ganze Meere voll
manchmal
klingt dein Lachen
bis zu den
Wolken hinauf
und
ICH
komme mir vor wie ein
Stein
in dem fast
alle Erinnerung
erloschen
doch dieses Winzige
kleine Etwas
was in mir noch
LEBT
noch weint und noch
lacht
bringst
DU
in Bewegung
und kleine Splitter des
kalten Steines
lösen sich
langsam
in mir auf
DU
bist mein
Schlüssel zum
Paradies
führst mich ganz sachte
so voller Weisheit
auf diesen Weg zu den
Träumen
meiner eigenen Kindheit
zurück
und dann denke ich
eigentlich
müsste jetzt
die ganze Welt
stillstehen und
wissen
was zwischen
DIR und MIR
geschah
diese ganze Welt
die das Schreien
ihrer Kinder nach
LIEBE
nicht versteht
und es
jeden Tag
immer wieder
ein ganz klein wenig mehr
enttäuscht
bis es schliesslich
verstummt
und diese kleinen
wilden
meereweinenden
wolkenlachenden
Wesen
dann endlich so richtig
vernünftige grosse erwachsene
Menschen
geworden sind
aber dann
-
denke ich
vielleicht ist doch alles
schon viel zu
spät
und
deine Seele
auf der Reise von jenem
fernen Planeten
von jener Welt der
Träume
unserer Kindheit
schon wieder auf dem Weg
dahin zurück
unverrichteter Dinge
und alles bleibt
Stein.
Auf silbernen Fäden
Auf hauchdünnen
silbernen Fäden
tanzen Clowns in den
Himmel
Musik hat sie gesponnen
über Nacht
am Tränensee liegen
weisse Mädchen in
viel zu leichten Kleidern
und dennoch
frieren sie nicht
die Zeit hat sie
verloren
der unentwegte Riese
stapft weiter
ohne Unterlass und
hat von alledem noch
immer nichts gemerkt
Niederlagen schmecken so
viel süsser als Siege.
Eine Zeitlang
Eine Zeitlang
waren unsere Wege die
gleichen
das war nicht gut
und nicht schlecht
es war einfach
so
doch selbst aus dem
dicksten Stamm
wächst eines Tages
ein neuer Zweig
und auch der breiteste Fluss
kann sich irgendwann
teilen
wenn ihm ein
Fels im Wege steht
und das ist weder gut
noch schlecht
es ist einfach so
wir alle
tragen Farben in uns
abertausende
die niemand kennt ausser
uns
mit ihnen malen wir alle an einem
riesigen Bild
am
BILD DES LEBENS
unerschöpflich
mal zaghaft
mal stürmisch
mal leise
mal laut
in
abertausenden
Formen
immer bloss eine
Zeitlang
und
vielleicht
eines Tages
wenn genug Gras gewachsen ist
wenn genug lange der
Regen gefallen ist
wenn genug Sand
im Meer liegt
sind wir
von allem
befreit.