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Gedichte III

Schreie der Ohnmacht

Irgendwann
wird mein Herz nicht mehr
zuheilen
werden meine Augen
keinen Schlaf mehr finden
wird meine Hand vom Schreiben
nicht mehr aufhören zu
schmerzen
es ist
weit nach Mitternacht
ein Teil von mir will schlafen
der andere hält mich wach
jetzt gerade
irgendwo
am elendesten schäbigsten
gottverlassensten
Ende der Welt
während
hier alles schläft
hämmert der Dicke mit der Brille
dein HERR
an deine Tür
reisst dich jäh aus den paar
Traumsekunden Schlaf
in denen du
vielleicht das erste Morgenlicht einer
ANDEREN WELT
gesehen hast
NEIN
schreist du verzweifelt
NICHT JETZT SCHON WIEDER
tausendfach geschändet
entehrt
geschlagen
gequält
bäumst du dich auf
vielleicht
zum letzten Mal
nichts da
die Tür fliegt auf
und noch ein Peiniger
Kleider runter
und eins in die Fresse
wenn du nicht das tust was
ER befiehlt
dein geschundener Körper
und noch einmal
und noch einmal
und noch einmal
das kurze Leben deiner
vierzehn Jahre Kindheit
noch einmal und
noch einmal geraubt
wie soll ich schlafen
wenn DU
es auch nicht kannst
vielleicht
zieht er jetzt sein
Messer
zerschneidet deine Haut
um
noch mehr und noch mehr
Lust zu empfinden
und es
zerreisst mich fast
so in meinem Bett zu liegen
einfach so und
nichts dagegen tun zu können
eine unbändige Wut
die mich quält
dass ich
SCHREIEN möchte in diese ganze
gottverlassene schlafende Welt
mit all meiner Kraft
bitte
bitte
bitte
dass er dich loslässt
bitte
dass er dir nicht mehr
wehtut
bitte
dass du wenigstens bis morgen früh
noch ein ganz klein wenig
schlafen kannst
nur ein ganz kleiner
süsser Traum
dann
vielleicht
vielleicht ganz leise
finde auch ich
meinen Schlaf
wohl wissend dass alles
Sünde ist
jedes Schweigen
jedes Warten
jedes geschriebene Wort
das mich langsam
müde macht
mir meine Wut abnimmt
mich von dir wieder wegführt
mir irgendwelche Gedanken
betäubend in den Kopf pflanzt
es sei doch alles nicht so schlimm
wohl alles arg übertrieben
wohl nur so schmerzend
weil ich gerade an nichts anderes
denken kann
mich in etwas verrannt habe
und auch diese letzte verrückte Illusion
meine Gedanken an dich
könnten dich finden
dich wenigstens ein
Staubkorn jener Wärme
spüren lassen
die ich dir zu geben wünschte
zerrinnt in nichts
zwei Schreie der Ohnmacht
deiner und meiner
in dunkler Nacht
und ich fürchte das Schlimmste
der Dicke mit der Brille
hämmert noch lauter an deine Tür
prügelt dich hinunter in die Bar
wo noch zwei andere
Dreckschweine
ein paar Dollars in ihren Taschen haben
und so geht das weiter
und selbst wenn du dann
irgendwann endlich
doch noch zur Ruhe kämst
sind es noch
eine halbe Million andere
50 000 davon unter
14 Jahren
bloss in Thailand
nicht zu reden von Kenia und Brasilien
von Manila und Santo Domingo
jeder Gedanke an dich
schmerzt mich
nur noch tiefer
Bin ich wohl der Einzige in dieser Nacht?
Wo sind die anderen?
Wenn sich doch diese
Wut ohne Macht verwandelte in ein
Unaufhaltsames
jedes Fleckchen Erde eroberndes
alle Gewalt niederreissendes
NEIN
NIE WIEDER
aber
kein Licht mehr in den Häusern rundum
wo alles schon schläft
während deine Füsse
bluten
Scherben zerschlagener Flaschen
zerschlagenen Lebens
später
eine Kette an deiner Tür
während sie aufstehen
den Kopf schon wieder
voller Gedanken an
Geld
ans gleiche
alles verschlingende
alles Leben zerstörende
Geld
hier wie dort
dieses Böse
mitten in uns
das uns blendet
betäubt
uns alle Gefühle zerschlägt
während
deine Wunden
vielleicht ganz ein wenig
zu heilen beginnen
bevor
alles von neuem
beginnt
DU
es ist Morgen.

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