Gedichte I
Schuld
Sizilianer
war er
Bauarbeiter
Vater
stumm lag er da
gelähmt
hatte noch nicht begriffen
dass er
nie mehr
nie
mehr
würde gehen können
ein Lastkran
mit einem Riesengewicht daran
während er am Grubenrand schaufelte
man hatte ihm zugerufen
vergeblich
der Lärm hatte alles erstickt
gelähmt
für immer
schwitzend
drehte ihn
Diana
zur Seite
entfernte den Kot
aus seinem Bett
während
Miguel
die Abfallsäcke fortschleppte
und Helena
das Essen brachte
sizilianische
jugoslawische
spanische
portugiesische
Träume
im selben
stinkenden
dumpfen
sterilen
schweizerischen
Spitalsaal
ohne Sprache
Schuld.
Am Rhein
Kinderfüsse im Sand
Steine Mauern
eine Burg
von Kinderhand
Land der Träume
und der Phantasie
stets
neu geboren
und neu
verloren
wechselnd
sind deine
Grenzen
wie die
Jahreszeiten und der
Mond
heute Land der Kinder
morgen
Land des Wassers
Kinderfüsse
im Sand
beinahe hat der
Wind sie
fortgeweht.
Mädchen im Krieg
Weltmeisterschaften
im Kunstturnen
kleine Mädchen
Kinder
an Barren
Reck
Schwebebalken
zu Höchstleistungen gezwungen
in schwindelerregend
zunehmender Konkurrenz
gegeneinander kämpfend
Gesichter von Kindern
mit dem starren Blick
von Erwachsenen
kaputte Körper
Angst
an der
hochgezogenen Flagge
sind die Schweisstropfen
verlorener Kindheit
unsichtbar
jetzt
schicken sie schon
Mädchen mit 13 Jahren
in
den Krieg.
Alles andere ist vergänglich
Wo immer
Menschen
sich einander öffnen
wo immer
sie
im Anblick der Sterne
verstummen
wo immer
ihnen
ein Kind entgegenlacht
da ist Wahrheit
dieselbe
tiefe Wahrheit
derselben
menschlichen Seele
derselben Sterne
derselben Kinder
im
Norden wie im Süden
im
Osten wie im Westen
das
Innerste
aller Menschen
alles andere
ist
vergänglich.
Alles umkehren
Von
Politikern Direktoren Verwaltungsräten
Generälen
die
lange Kette
abnehmender Macht
zunehmender
Lebendigkeit
Entlanggehen
und dabei
jene Kraft
wachsen spüren
die die Welt
verändern könnte
von den mächtigen
zu den weniger mächtigen Männern
Frauen
Jugendlichen
Mädchen
Kindern voller Träume
vor
gewalttätigen Plakaten
in allen Farben
Macht ausschreiend
stehen sie
schweigend
wartend
auf
irgendetwas
man
müsste nur
alles
umkehren.
Uns alles zu entreissen
Zuerst
nahmt ihr uns den
Boden
und was wir einst
selber pflanzten
müssen wir uns jetzt
in euren Läden
aus euren Fabriken
für teures Geld
kaufen
dann
nahmt ihr uns die
Kleider
und jetzt gibt es Kleider
nur noch für
teures Geld
in euren Läden
aus euren Fabriken
dann
nahmt ihr uns die
Häuser
und selbst das Wohnen
kostet alles jetzt
teures Geld
dann
nahmt ihr uns die
Musik
und auch die
gibt es jetzt
bloss noch in euren Läden
aus euren Fabriken
eure Phantasie wäre bald
ohne Grenzen
in eurem Wahn
uns alles zu entreissen
alles zu besitzen
uns in allem
bis in die verborgensten
Winkel unserer Seelen
von euch
ABHÄNGIG
zu machen
uns jede Art von
Arbeit
verrichten zu lassen
nur um
ÜBERLEBEN zu können
auch Schönheit und Kunst und
Gesundheit
alles alles
nur noch für Geld
irgendeines Tages
kommt ihr wohl noch auf die
verrückte Idee
auch die Luft
und das Wasser
nur noch in euren Geschäften
aus euren Fabriken
zu verkaufen
längst schon im Besitz auch
unserer SEELEN
längst schon im Besitz unserer
GEFÜHLE
unserer SEHNSÜCHTE
unseres DENKENS
habt ihr auch dann noch
nicht genug -
viele
sind es nicht
die jetzt noch eine andere
Sprache verstehen
die Sprache des
Herzens
die Sprache der
LIEBE
dieser letzte kleine
Rest von
FREIHEIT
diese letzte kleine Spur von
PHANTASIE
diese letzte kleine
HOFFNUNG
es könnte
irgendeines Tages
trotz allem
noch das
LEBEN
stärker sein als
all eure
Macht.