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Karl Marx - aktueller denn je

Karl Marx (1818-1883), Philosoph, Nationalökonom, politischer Journalist, einflussreichster Theoretiker des Sozialismus und des Kommunismus. Wie aktuell seine Analyse des kapitalistischen Wirtschaftssystems auch - und ganz besonders - heute noch ist, zeigen folgende Auszüge aus seinem Hauptwerk, dem "Kapital" (1867):

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine "ungeheure Warensammlung"...

Vielleicht ist die Ware Produkt einer neuen Arbeitsweise, die ein neu aufgenommenes Bedürfnis zu befriedigen vorgibt oder auf eigene Faust ein Bedürfnis erst hervorrufen will...

Da die Ware in ihrer Geldwerdung verschwindet, sieht man dem Geld nicht an, wie es in die Hände seines Besitzers gelangt oder in was es verwandelt ist. Es stinkt nicht, was auch immer sein Ursprung ist...

Jede Ware, bei ihrem ersten Schritt in die Zirkulation, bei ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Zirkulation heraus, in welche stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen als Zirkulationsmittel haust beständig in der Zirkulationssphäre und treibt sich beständig in ihr um...

Mit der Ausdehnung der Warenzirkulation wächst die Macht des Geldes. Da dem Geld nicht anzusehen ist, was in es verwandelt ist, verwandelt sich alles, Ware oder nicht, in Geld. Alles wird verkäuflich und kaufbar. Die Zirkulation wird die grosse gesellschaftliche Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkristall wieder herauszukommen... Die gesellschaftliche Macht wird so zur Privatmacht der Privatpersonen...

Die moderne Gesellschaft, die schon in ihren Kinderjahren den Plutus an den Haaren aus den Eingeweiden der Erde herauszieht, begrüsst im Goldgral die glänzende Verkörperung ihres eigensten Lebensprinzips...

Die Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner stets zurück zur Sisyphusarbeit der Akkumulation. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit jedem neuen Land nur eine neue Grenze erobert...

Der Kapitalist wirft, beim Kauf der Ware, Geld in die Zirkulation, um es ihr später wieder zu entziehen durch den Verkauf derselben Ware. Er entlässt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht, seiner wieder habhaft zu werden...

Die Zirkulation des Geldes als Kapital (durch das Schaffen von Mehrwert) ist Selbstzweck, denn die Verwertung des Wertes existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher masslos...

Als bewusster Träger dieser Bewegung wird der Geldbesitzer Kapitalist. Seine Person, oder vielmehr seine Tasche, ist der Ausgangspunkt und der Rückkehrpunkt des Geldes...

Dieser absolute Bereicherungstrieb, diese leidenschaftliche Jagd auf den Wert ist dem Kapitalisten mit dem Schatzbildner gemein, aber während der Schatzbildner nur der verrückte Kapitalist, ist der Kapitalist der rationelle Schatzbildner. Die rastlose Vermehrung des Wertes, die der Schatzbildner anstrebt, indem er das Geld vor der Zirkulation zu retten versucht, erreicht der klügere Kapitalist, indem er es stets von neuem der Zirkulation preisgibt...

Die Bewegung, worin der Wert seinen Mehrwert zusetzt, ist seine eigene Bewegung, seine Verwertung also Selbstverwertung. Er hat die okkulte Qualität erhalten, Wert zu setzen, weil er Wert ist. Er wirft lebendige Junge oder legt wenigstens goldene Eier...

Werden dagegen Waren oder Waren und Geld von gleichem Tauschwert ausgetauscht, so zieht keiner mehr Wert aus der Zirkulation heraus, als er in sie hineinwirft. Es findet dann keine Bildung von Mehrwert statt...

Um aus dem Verbrauch einer Ware Wert herauszuziehen, müsste der Geldbesitzer so glücklich sein, innerhalb der Zirkulationssphäre, auf dem Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besässe, Quelle von Wert zu sein, deren Verbrauch Wertschöpfung wäre. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt tatsächlich eine solche eigenartige Ware vor - das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft...

Von dem Augenblick, wo er in die Werkstätte des Kapitalisten trat, gehörte der Gebrauchswert der Arbeit nicht mehr dem Arbeiter selber, sondern dem Kapitalisten...

Dass ein halber Arbeitstag genügen würde, um ihn während 24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert den Arbeiter keineswegs, einen ganzen Tag lang zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihre Verwertung im Arbeitsprozess sind also zwei verschiedene Grössen. Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeitskraft kaufte...

Arbeit ist Quelle von mehr Wert, als sie selber hat. Dies ist der besondere Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und er verfährt dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemäss...

Das Kunststück ist endlich gelungen. Geld ist in Kapital verwandelt...

Und so ist alles aufs beste bestellt in der besten aller möglichen Welten...

Nun ist das Kapital ein beseeltes Ungeheuer, das zu "arbeiten" beginnt, als wäre es selber ein Lebewesen...

Der Unterschied zwischen so genannt höherer und einfacherer Arbeit beruht auf der hilfloseren Lage gewisser Schichten der Arbeiterklasse, die es ihnen weniger als anderen erlaubt, den echten Wert ihrer Arbeitskraft zu ertrotzen...

Das Kapital hat einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich zu verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln, die grösstmögliche Masse Mehrarbeit einzusaugen. Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampirmässig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und umso mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt. Die Zeit, während der der Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, während der der Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft konsumiert...

So müsste der Arbeiter zum Kapitalisten sagen: Was du an Arbeit gewinnst, verliere ich an Arbeitssubstanz...

Überall, wo ein Teil der Gesellschaft das Monopol der Produktionsmittel besitzt, muss der Arbeiter, "frei" oder "unfrei", der zu seiner Selbsterhaltung notwendigen Arbeitszeit überschüssige Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel für den Eigner der Produktionsmittel zu produzieren...

Sobald Völkern, deren Produktion sich noch in den niedrigeren Formen von Sklavenarbeit, Fronarbeit, usw. bewegt, hineingezogen werden in einen durch die kapitalistische Produktionsweise beherrschten Weltmarkt, der den Verkauf ihrer Produkte ins Ausland zum vorwiegenden Interesse entwickelt, wird den barbarischen Greueln der Sklaverei und Leibeigenschaft zusätzlich noch der "zivilisierte" Greuel der Überarbeit aufgepfropft...

Die Verlängerung des Arbeitstages über die Grenzen des natürlichen Tages in die Nacht hinein stillt nur annähernd den Vampirdurst nach lebendigem Arbeitsblut. Arbeit während aller 24 Stunden des Tages anzueignen, ist daher der immanente Antrieb der kapitalistischen Produktion...

In seinem masslos blinden Trieb, seinem Werwolfsheisshunger nach Mehrarbeit, überrennt das Kapital nicht nur die moralischen, sondern auch die rein physischen Maximalschranken des Arbeitstages. Es usurpiert die Zeit für Wachstum, Entwicklung und gesunde Erhaltung des Körpers...

Das Kapital fragt nicht nach der Lebenssauer der Arbeitskraft. Was es interessiert, ist einzig und allein das Maximum von Arbeitskraft, das in einem Arbeitstag flüssig gemacht werden kann...

In jeder Aktienschwindelei weiss jeder, dass das Unwetter einmal einschlagen muss, aber jeder hofft, dass es das Haupt seines Nächsten trifft, nachdem er selbst den Goldregen aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat. Nach mir die Sintflut! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation...

Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird... Im Grossen und Ganzen hängt dies aber nicht vom guten oder vom bösen Willen des einzelnen Kapitalisten ab. Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenüber als äusserliches Zwangsgesetz geltend...

Das Kapital ist bestrebt, eine möglichst grosse Masse Mehrwert zu produzieren. Gleichzeitig strebt es darnach, seinen variablen Teil, also die Zahl der Arbeiter, die es ausbeutet, im Verhältnis zur Ausdehnung seines Unternehmens so viel als immer möglich zu reduzieren...

Als Produzent fremder Arbeitsamkeit, als Auspumper von Mehrarbeit und Ausbeuter von Arbeitskraft übergipfelt das Kapital an Energie, Masslosigkeit und Wirksamkeit alle früheren auf direkter Zwangsarbeit beruhenden Produktionssysteme...

Der absolute Wert der Ware ist dem Kapitalisten, der sie produziert, an und für sich gleichgültig. Ihn interessiert nur der in ihr steckende und im Verkauf realisierbare Mehrwert...

Ersparung an Arbeit durch Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit bezweckt in der kapitalistischen Produktion also durchaus nicht Verkürzung des Arbeitstages. Sie bezweckt nur Verkürzung der für Produktion eines bestimmten Warenquantums notwendigen Arbeitszeit. Dass der Arbeiter bei gesteigerter Produktivkraft seiner Arbeit in einer Stunde zum Beispiel zehnmal mehr Ware als früher produziert, also für jedes Stück Ware zehnmal weniger Arbeitszeit braucht, verhindert durchaus nicht, ihn nach wie vor 12 Stunden arbeiten und in den 12 Stunden 1200 statt wie früher 120 Stück produzieren zu lassen. Ja, sein Arbeitstag mag gleichzeitig verlängert werden, so dass er jetzt in 14 Stunden 1400 Stück produziert usw. Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, innerhalb der kapitalistischen Produktion, bezweckt, den Teil des Arbeitstages, den der Arbeiter für sich selbst arbeiten muss, zu verkürzen, um gerade dadurch den anderen Teil des Arbeitstages, den er für den Kapitalisten umsonst arbeiten kann, zu verlängern...

Als unabhängige Personen sind die Arbeiter Vereinzelte, die in ein Verhältnis zu demselben Kapital, aber nicht zueinander treten. Ihre Kooperation beginnt erst im Arbeitsprozess, aber im Arbeitsprozess haben sie bereits aufgehört, sich selbst zu gehören. Mit dem Eintritt in denselben sind sie dem Kapital einverleibt...

Die frühere Macht asiatischer und ägyptischer Könige oder etruskischer Theokraten usw. ist in der modernen Gesellschaft auf den Kapitalisten übergegangen, ob er nun als vereinzelter Kapitalist auftritt oder, wie bei Aktiengesellschaften, als kombinierter Kapitalist...

Die gesellschaftliche Teilung der Arbeit stellt unabhängige Warenproduzenten einander gegenüber, die keine andere Autorität anerkennen als die der Konkurrenz, den Zwang, den der Druck ihrer wechselseitigen Interessen auf sie ausübt, wie auch im Tierreich der Kampf aller gegen alle die Existenzbedingungen aller Arten mehr oder weniger erhält. Dasselbe bürgerliche Bewusstsein, dass die Teilung und Spezialisierung der Arbeit, die lebenslängliche Fesselung des Arbeiters an eine Detailverrichtung und die unbedingte Unterordnung der Teilarbeiter unter das Kapital als eine Organisation der Arbeit feiert, welche ihre Produktivkraft steigere, brandmarkt auf der anderen Seite ebenso laut jede bewusste gesellschaftliche Kontrolle und Regelung des gesellschaftlichen Produktionsprozesses als einen Eingriff in die unerverletzlichen Eigentumsrechte, in die Freiheit des individuellen Kapitalisten...

Die Grenze für den Gebrauch von Maschinen ist darin gegeben, dass ihre eigene Produktion weniger Arbeit kostet, als ihre Anwendung Arbeit ersetzt...

Der Einsatz von Maschinen erlaubte es, auch Arbeiter mit weniger Muskelkraft einzusetzen. Frauen- und Kinderarbeit war daher das erste Wort der kapitalistischen Anwendung von Maschinen. Dieses Ersatzmittel von Arbeit verwandelte sich somit in ein Mittel, die Zahl der Lohnarbeiter zu vermehren durch Einreihung aller Mitglieder der Arbeiterfamilie, ohne Unterschied von Geschlecht und Alter, unter die unmittelbare Herrschaft des Kapitals. Und indem die Maschine alle Glieder der Arbeiterfamilie auf den Arbeitsmarkt wirft, verteilt sie den Wert der Arbeitskraft des Mannes über seine ganze Familie. Der Ankauf der in 4 Arbeitskräfte zum Beispiel zerstückelten Familie kostet vielleicht mehr als früher der Ankauf der Arbeitskraft des Mannes, aber dafür treten 4 Arbeitstage an die Stelle von einem. War es vorher nur einer, so müssen jetzt 4 Mehrarbeit für das Kapital liefern, damit eine Familie leben kann. So erweitert die Maschine von vornherein mit dem menschlichen Ausbeutungsmaterial, dem eigensten Ausbeutungsfeld des Kapitals, zugleich den Grad der Ausbeutung...

Die Grösse des Gewinns wetzt den Heisshunger nach mehr Gewinn...

...das ökonomische Paradoxon, dass die Maschine, das gewaltigste Mittel zur Verkürzung der Arbeitszeit, in das unfehlbarste Mittel umschlägt, alle Lebenszeit des Arbeiters und seiner Familie in verfügbare Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals zu verwandeln...

Die ungeheure, stossweise Ausdehnbarkeit des Fabrikwesens und seine Abhängigkeit vom Weltmarkt erzeugen notwendig fieberhafte Produktion und darauffolgende Überfüllung der Märkte...

Die Zeiten der Prosperität abgerechnet, rast zwischen den Kapitalisten heftigster Kampf um ihren individuellen Raumanteil am Markt...

So tritt jedesmal ein Punkt ein, wo der Absatz überschüssiger Ware durch gewaltsamen Druck des Arbeitslohnes unter den Wert der Arbeitskraft angestrebt wird...

Die moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandene Form eines Produktionsprozesses nie als endgültig. Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andere Methoden wälzt sie beständig mit der technischen Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitsprozesses um. Sie schleudert damit unaufhörlich Kapitalmassen und Arbeitermassen aus einem Produktionszweig in den andern...

Jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit...

Je mehr ein Land von der grossen Industrie als dem Hintergrund seiner Entwicklung ausgeht, desto rascher dieser Zerstörungsprozess. Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter...

Die Scheidung zwischen einer Kategorie von Personen, die über alles verfügen, was erforderlich ist, damit sich die Arbeit realisiere, und einer anderen Kategorie von Personen, deren ganze Habe sich auf ihre eigene Arbeitskraft beschränkt, das war die tatsächlich gegebene Grundlage, der Ausgangspunkt des kapitalistischen Produktionsprozesses. Was aber anfangs nur Ausgangspunkt war, wird später dank der einfachen Reproduktion ein Resultat, das sich immer wieder selbst erneuert...

Wenn der Kapitalist einen Teil seines Kapitals in Arbeitskraft umsetzt, verwertet er damit sein Gesamtkapital. Aber nicht genug damit. Er schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Er profitiert nicht nur von dem, was er vom Arbeiter empfängt, sondern auch von dem, was er ihm gibt. Das im Austausch gegen Arbeitskraft veräusserte Kapital wird von der Arbeiterklasse für Lebensmittel ausgetauscht, deren Konsumtion dazu dient, Muskel, Nerven, Knochen, Hirn usw. von Arbeitern zu reproduzieren und neue Arbeiter zu zeugen. So ist die individuelle Konsumtion der Arbeiterklasse Rückverwandlung der vom Kapital gegen Arbeitskraft veräusserten Lebensmittel in vom Kapital neu ausbeutbare Arbeitskraft...

Der römische Sklave war durch Ketten, der Lohnarbeiter ist durch unsichtbare Fäden an seinen Eigentümer gebunden. Nur ist dieser Eigentümer nicht der Einzelkapitalist, sondern die Kapitalistenklasse...

Der kapitalistische Produktionsprozess reproduziert und verewigt die Ausbeutungsbedingungen des Arbeiters. Er zwingt beständig den Arbeiter zum Verkauf seiner Arbeitskraft, um zu leben, und befähigt beständig den Kapitalisten zu ihrem Kauf, um sich zu bereichern...

Je mehr der Kapitalist akkumuliert hat, umso mehr kann er akkumulieren...

Der Bereicherungstrieb ist beim Kapitalisten Wirkung des gesellschaftlichen Mechanismus, worin er nur ein Triebrad ist. Die Entwicklung der kapitalistischen Produktion macht eine fortwährende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als äussere Zwangsgesetze auf. Sie erlaubt ihm nicht, dass er sein Kapital erhält, ohne es fortwährend auszudehnen, und ausdehnen kann er es nur durch fortgesetzte Akkumulation...

Die Akkumulation ist Eroberung der Welt des gesellschaftlichen Reichtums. Sie dehnt mit der Masse des ausgebeuteten Menschenmaterials zugleich die direkte und indirekte Herrschaft des Kapitalisten aus...

Mit der wachsenden Produktivität des Arbeiters geht die wachsende Rate des Mehrwerts Hand in Hand. Der reelle Arbeitslohn steigt daher nie verhältnismässig mit der Produktivität der Arbeit...

Ein grosses Kapital wächst selbst bei kleinerem Profit im Allgemeinen rascher als ein kleines Kapital bei grossem Profit...

Die grösseren Kapitale schlagen daher die kleineren...

Mit der Akkumulation des Kapitals entwickelt sich die spezifisch kapitalistische Produktionsweise und mit der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise die Akkumulation des Kapitals...

Jedes individuelle Kapital ist eine grössere oder kleinere Konzentration von Produktionsmitteln mit entsprechendem Kommando über eine grössere oder kleinere Arbeiterarmee...

Das Kapital schwillt hier in einer Hand zu grossen Massen, weil es dort in vielen Händen verloren geht...

Die Konkurrenz rast im direkten Verhältnis zur Anzahl und im umgekehrten Verhältnis zur Grösse der rivalisierenden Kapitale. Sie endet stets mit dem Untergang vieler kleinerer Kapitalisten, deren Kapitale teils in die Hand des Siegers übergehen, teils untergehen...

Abgesehen davon bildet sich mit der kapitalistischen Produktion eine ganz neue Macht, das Kreditwesen, das in seinen Anfängen verstohlen, als bescheidene Beihilfe der Akkumulation, sich einschleicht, durch unsichtbare Fäden die über die Oberfläche der Gesellschaft in grösseren oder kleineren Massen zersplitterten Geldmittel in die Hände individueller oder assoziierter Kapitalisten zieht, aber bald eine neue und furchtbare Waffe im Konkurrenzkampf wird und sich schliesslich in einen ungeheuren sozialen Mechanismus zur Zentralisation der Kapitale verwandelt...

Der wachsende Umfang der individuellen Kapitalmassen wird zur materiellen Grundlage einer beständigen Umwälzung der Produktionsweise selbst. Fortwährend erobert die kapitalistische Produktionsweise ihr noch gar nicht oder nur teilweise unterworfene Arbeitszweige...

Die kapitalistische Akkumulation produziert beständig eine überschüssige, daher überflüssige Überbevölkerung von Arbeitern...

Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eigenen Überzähligmachung...

Die überflüssige Arbeiterschaft bildet eine verfügbare industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz so absolut gehört, als ob es sie auf seine eigenen Kosten grossgezüchtet hätte. Sie schafft für seine wechselnden Verwertungsbedürfnisse das stets bereite ausbeutbare Menschenmaterial...

Die Überarbeit des beschäftigten Teiles der Arbeiterklasse schwellt die Reihen ihrer Reserve, während umgekehrt der vermehrte Druck, den die letztere durch ihre Konkurrenz auf die erstere ausübt, diese zur Überarbeit und Unterwerfung unter die Gebote des Kapitals zwingt. Die Verdammung eines Teils der Arbeiterklasse zu erzwungenem Müssiggang durch Überarbeit des anderen Teiles, und umgekehrt, wird Bereicherungsmittel des einzelnen Kapitalisten und beschleunigt zugleich die Produktion der industriellen Reservearmee...

Arbeiter mit unregelmässiger Beschäftigung bieten dem Kapital einen unerschöpflichen Behälter verfügbarer Arbeitskraft. Ihre Lebenlage sinkt unter das durchschnittliche Normalniveau der arbeitenden Klasse, und gerade dies macht sie zur breiten Grundlage eigener Ausbeutungszweige des Kapitals. Maximum der Arbeitszeit und Minimum des Arbeitslohnes charakterisieren sie...

Je höher die Produktivkraft der Arbeit, desto grösser der Druck auf die Beschäftigungszahl, desto unsicherer also ihre Existenzbedingung: Verkauf der eigenen Kraft zur Vermehrung des fremden Reichtums oder zur Selbstverwertung des Kapitals...

Der Akkumulation von Kapital auf der einen Seite entspricht die Akkumulation von Elend, Arbeitsqual und Sklaverei auf der anderen...

So kam es, dass die einen Reichtum akkumulierten und die anderen schliesslich nichts zu verkaufen hatten als ihre eigene Haut. Seitdem besteht die Armut der grossen Masse, die immer noch, aller Arbeit zum Trotz, nichts zu verkaufen hat als sich selbst, und der Reichtum der wenigen, der fortwährend wächst, obgleich sie längst aufgehört haben zu arbeiten...

In der wirklichen Geschichte spielen bekanntlich Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt die grosse Rolle. Die Methoden der kapitalistischen Akkumulation sind nicht anders...

Die ökonomische Struktur der kapitalistischen Gesellschaft ist hervorgegangen aus der ökonomischen Struktur der feudalen Gesellschaft...

Der "Fortschritt" bestand bloss in der Umformung der feudalen in die kapitalistische Ausbeutung...

Im Fortgang der kapitalistischen Produktion entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit die Anforderungen der kapitalistischen Produktionsweise als selbstverständliche Naturgesetze anerkennt...

Mit dem freigesetzten Teil des Landvolkes werden auch seine früheren Nahrungsmittel freigesetzt. Sie verwandeln sich jetzt in stoffliches Element des variablen Kapitals...

Die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Amerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingeborenen Bevölkerung in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Ausplünderung von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Gehege zur Handelsjagd auf Schwarzhäute, bezeichnen die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära. Auf dem Fusse folgt der Handelskrieg der europäischen Nationen, mit dem Erdrund als Schauplatz...

Die verschiedenen Momente der ursprünglichen Akkumulation verteilen sich nun, mehr oder minder in zeitlicher Reihenfolge, namentlich auf Spanien, Portugal, Holland, Frankreich und England. Die Methoden beruhen zum Teil auf brutalster Gewalt, zum Beispiel das Kolonialsystem. Alle aber benutzten die Staatsmacht, die konzentrierte und organisierte Gewalt der Gesellschaft, um den Verwandlungsprozess der feudalen in die kapitalistische Produktionsweise treibhausmässig zu fördern...

Der ausserhalb Europas direkt durch Plünderung, Versklavung und Raubmord erbeutete Schatz floss ins Mutterland zurück und verwandelte sich hier in Kapital...

Es war der "fremde Gott", der sich neben die alten Götzen Europas auf den Altar stellte und sie eines schönen Tages mit einem Schub und Bautz sämtlich über den Haufen warf. Es proklamierte die Plusmacherei als letzten und einzigen Zweck der Menschheit...

Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist - ihre Staatsschuld. Daher ganz konsequent die moderne Lehre, dass ein Volk umso reicher wird, je tiefer es sich verschuldet. Die öffentliche Schuld wird einer der energischsten Hebel der ursprünglichen Akkumulation...

Von ihrer Geburt an waren die mit nationalen Titeln aufgestutzten Banken nur Gesellschaften von Privatspekulanten, die sich den Regierungen an die Seite stellten und, dank den erhaltenen Privilegien, ihnen Geld vorzuschiessen imstande waren. Daher hat das Anwachsen der Staatsschuld keinen unfehlbareren Gradmesser als das fortgesetzte Steigen der Aktien dieser Banken...

Manches Kapital, das heute in den Vereinigten Staaten ohne Geburtsschein auftritt, ist erst gestern in England kapitalisiertes Kinderblut...

Für neue Ausgaben müssen die Regierungen stets neues Geld aufnehmen, was früher oder später Steuererhöhungen zur Folge hat. Die Überlastung mit Steuern ist daher nicht ein gelegentlicher Zwischenfall, sondern vielmehr Prinzip...

Wenn das Geld, nach Augier, "mit natürlichen Blutflecken zur Welt kommt", so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend...

Das selbst erarbeitete Privateigentum wird verdrängt durch das kapitalistische Privateigentum, welches auf Ausbeutung fremder Arbeit beruht...

Es entwickelt sich die kapitalistische Produktionsweise auf stets wachsender Stufenleiter, die bewusste technische Anwendung der Wissenschaft, die planmässige Ausbeutung der Erde, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarktes und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes...

Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Druckes, der Knechtschaft, der Ausbeutung...