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Lokremise Buchs

Buchs SG Rundschuppen; ein regionales Eisenbahnmuseum?

Johannes Gröbli, Arbon, 25. Februar 2009 

Als Grenzbahnhof hat Buchs SG eine grosse Eisenbahntradition. Der Ringlokschuppen aus der Dampflokzeit ist bis heute erhalten geblieben und ist zurzeit noch an die Gleisanlage über die Drehscheibe angeschlossen.

Gebäude:

Der 4 Ständige Lokschuppen wurde in Eisen-Rundbogen Konstruktion erstellt. Es ist schweizweit das einzige Lokdepot in dieser Bauart das erhalten geblieben ist. Eine sehr stabile und filigran wirkende Bauart aus der Jahrhundertwende. Die doch sehr groben und klobigen aussehenden Lokomotiven die darin beheimatet waren, bilden dazu einen reizvollen Kontrast. Beides zusammen, Gebäude und Lokomotiven, ergeben ein stimmiges Bild aus der grossen Eisenbahnervergangenheit des Grenzbahnhofes Buchs SG.

Drehscheibe:

Der Zugang zum Lokschuppen erfolgt über die Drehscheibe. Schon aus den Anfangszeiten der Eisenbahn in der Ostschweiz war man darauf erpicht möglichst geringe kosten zu verursachen und den Betrieb einfach zu halten. Drehscheiben dienten in erster Linie die Lokomotiven in die gewünschte Stellung zu bringen, Kamin voraus sieht nicht nur gut aus, sondern bringt dem Personal einige Erleichterungen und erhöht die Sicherheit. Sie dienen aber auch dazu Weichen einzusparen. Will man im Beispiel von Buchs mit Weichen die gleiche Anzahl von Lokstandgleisen erriechen wären deren 4 nötig (Heutige Kosten pro Weiche plus Sicherungsanlage: CHF 300 000.-). Aber auch Betrieblich bringt eine Drehscheibe viel; so ist es nicht Möglich eine Lok so abzustellen dass sie von einer anderen „eingesperrt" wird.

Mit einer nutzbaren Länge von 16 Metern ist auch ein Wenden der grössten SBB Dampflok möglich.

Als regionales Museum könnte es folgende Fahrzeuge aufnehmen:

Eb 3/5 5886

Der Club del San Gotthardo  hat diese Lok vom Denkmal dasein befreit und versuchte sie Betriebsfähig aufzuarbeiten. Durch Wechsel in der Vereinsleitung hat man leider das Interesse zur Fertigstellung verloren und will sich von ihr trennen. Der Eisenbahnclub Schaan -Vaduz bemüht sich um den Erwerb und ist bestrebt die Auflagen dazu zu erfüllen. Unter anderen Bedingungen (Finanzierung der Hauptuntersuchung, Betriebskonzept, Zulassung etc.)ist die. Witterungsgeschützte Remisierung des Fahrzeuges gefordert.

Diese Lok wäre die Einzige Betriebsfähige Lok des Museums. Nicht nur aus diesem Grund dürfte Sie das wertvollste Exponat sein, sondern auch weil sie die ganze Zeit ihres Eisenbahnerlebens in der Region Ostschweiz eingesetzt war und mit Bestimmtheit des öfteren Gast im Rundhaus war.

E 3/3 8487

Diese Lok steht seit 1969 beim Bahnhof im Freien als Denkmal. Sie ist im Besitzt der SBB Historic. Das Stiftungsreglement der SBB Historic besagt das sämtliche Exponate wettergeschützt abzustellen sind. Dies trifft für die Lok zurzeit nicht zu. Soll die Lok erhalten werden und für Buchs nicht verloren gehen, drängt sich eine Überstellung in das Rundhaus geradezu auf.

C 5/6 2958

Diese Lok ist im Besitze der Eurovapor und dient als Ersatzteilspender für die C5/6 2969, welche betriebsfähig aufgearbeitet wird. Für Buchs hat dieser Loktyp insofern eine Bedeutung, waren doch Jahrelang solche im schweren Rangierdienst am Berg eingeteilt.

Eb 3/5 5811

Das Schicksal dieser Lok zeigt deutlich auf wie man es besser nicht machen soll. Als Denkmal von 1965 bis 1974 vergammelte sie im Bahnhof Baden. Als sie vom Denkmal zum Schandfleck befördert wurde, hat man Sie den brauchbaren Teilen beraubt, zerlegt und einen Schutzanstrich (grün) angebracht und wieder, zumindest teilweise montiert, nach Glarus gestellt und vergessen. Als besonders „intelligente" Massnahme soll man den Kessel mit Beton ausgegossen haben, um das Rosten von innen heraus zu stoppen. In der Zwischenzeit ist das Gebäude in der Sie remisiert ist, so baufällig, dass der Einsturz droht. Eine Lösung für das „Problem Eb 3/5 5811" drängt sich auf. Hoffen wir auf den Erhalt als nicht betriebsfähiges Fahrzeug im regionalen Eisenbahnmuseum Buchs!

An dieser Stelle sei noch die Bemerkung erlaubt, dass in ein paar Jahren es mit der Buchser Denkmallok gleich schlecht stehen könnte.

Dampflok der ÖBB

Als Grenzbahnhof zu Österreich war die Drehscheibe in Buchs der „Wendepunkt" für die Loks aus unserem Nachbarland. Eine Vertreterin aus der Sammlung des Staatlichen Eisenbahnmuseum Wien würde in Buchs sicher liebevoll gepflegt werden.

Betreiber: Eisenbahnclub Schaan - Vaduz

Mit dem Betreiber der Eb 3/5 5886 dem Eisenbahnclub Schaan - Vaduz, der auf eine funktionierende Dampflok Infrastruktur angewiesen ist, sollte auch eine Organisation für den Betrieb des Museums gefunden sein.

Der Club wurde 2003 gegründet mit dem Ziel das Thema Eisenbahn in jeglicher Form zu pflegen. Als erste Gruppe etablierten sich die Modelbauer. Die von den ca. 8 Aktiven  erstellte Modulanlage war in der Vergangenheit des Öfteren im In- und Ausland zu bewundern.

Als zweite Gruppe entstand rund um Peter Thöny, dem heutigen Präsident des Vereins, die Dampflok - Gruppe. Das Ursprüngliche Ziel, die Dampflok ÖBB 77.250 welche in Schaan als Denkmal aufgestellt war, wieder in Betrieb zu nehmen, kann aus technischer Sicht als Erfolg gefeiert werden. Leider wurde der Club vom Stiftungsrat, nachdem die Arbeit erledigt war, aus nicht nachvollziehbaren Gründen vom Betrieb der Lok ausgeschlossen.

Rückblickend darf dies als Glücksfall bezeichnet werden, sind doch so einige Kapazitäten unter den Mitgliedern frei geworden, die nun bereit sind, eine der raren schweizer Dampfloks wieder in Betrieb nehmen zu wollen.

Das nötige Fachwissen haben Sie sich bei den Arbeiten rund um die 77.250 angeeignet. Unterstützung bietet die Eurovapor, ein Verein der seit 1962 sich mit über 1000 Mitgliedern um den Erhalt und Betrieb von Dampflokomotiven kümmert

Um den beiden Gruppen ein gemeinsames Dach über dem Kopf anbieten zu können wurde die Idee des Eisenbahnmuseums Buchs SG geboren. Mit Vier Fahrzeugen, einem Gebäude und einer Drehscheibe sind die Dimensionen nicht so gross das die anfallenden Arbeiten nicht mehr erledigt werden können zumal das Gebäude und die Drehscheibe in einem relativ Guten zustand sind wie uns Herr Holenstein, Denkmalbeauftragter der SBB, anlässlich einer Besichtigung mitteilte. „Es fehlt halt an etwas Herzblut um ein wahres Bijou daraus zu machen. Mit wenig Unterhalt wäre dies zu Bewerkstelligen" so weitere Ausführungen vom Denkmalbeauftragter der SBB.

Die Kosten der Miete oder Baurechtszins könnte man unter den Fahrzeugeigner Aufteilen .die Einnahmen des Museumsbetriebes sind jedoch für den unterhalt der Anlage zu verwenden und nicht als Reduktion der Standgebühren der Fahrzeuge.

Die Erreichbarkeit für das Publikum ist ohne Gefahren über die Unterführung Seite Sevelen möglich. Sollte das Geschehen auf der Drehscheibe mit ins Museum einbezogen werden ist ein Zaun zu den Betriebsgleisen zu errichten.

Die Fahrzeuge welche für die Ausstellung vorgesehen sind können alle bewegt werden. Somit kann man die Halle auch temporär für andere Zwecke nutzen, sofern der Bahnlärm der in den Bahnhof ein und Ausfahrenden Züge nicht als störend empfunden wird.

Das dieses Vorhaben nicht ohne finanzielle Unterstützung auf die Beine zu stellen ist, dürfte jedem klar sein. Der Standortgemeinde ist zu wünschen, dass Sie die nötige Weitsicht hat und Ihre Eisenbahnertradition in einer würdigen Form pflegt.


Lokremise Buchs: Eisenbahnmuseum oder Event-Halle?

Peter Sutter / 21.3.10

Spricht gegen Nutzung als Event-Halle:
  • - Fehlende bzw. mangelhafte Infrastruktur: Bühnentechnik, Musikanlage, Bühnengrösse, WC-Anlagen, Heizung, Pausenraum, Parkplätze
  • - Gefahrenpotenzial durch Eisenbahnbetrieb, aus- und einfahrende Züge, Rangierbetrieb, Freiverlad und technische Anlagen in unmittelbarer Nähe des Gebäudes
  • - Grosse Investitionen nötig für dauerhafte Nutzung als Event-Halle
  • - Zweckentfremdung des Gebäudes und der Drehscheibe
  • - Kulturbetrieb ist nicht an eisenbahnspezifischen Standort gebunden und hat Ausweichmöglichkeiten an besseren Standorten
  • - Genügend Alternativen für Musicals vorhanden: Aula Flös (optimale Infrastruktur inkl. Musikanlage, bis 400 Plätze), Schloss Werdenberg (z.B. im Wechsel mit Opernaufführungen)
  • - Zu geringer Bedarf im Jugendbereich (gemäss Markus Büchel, Leiter koj, max. 3 Anlässe pro Jahr, Möglichkeiten bestehen aber z.B. im Krempel oder Aula Flös und bzb)
  • - Bedarf an Kulturhallen in der Region gedeckt (neu: Gemeindesaal Schaan, Aula Flös), Gefahr, dass das Gebäude zu 80-90 Prozent der Zeit leer stehen würde
  • - Finanzielles Risiko / Belastung der Gemeinde Buchs für eine Nutzung, die nicht ausgewiesen ist
Spricht für Nutzung als Eisenbahnmuseum:
  • - Lokschuppen ist schweizweit das einzige Lokdepot in dieser Bauart, das noch erhalten ist
  • - Touristische Attraktion, vor allem auch in Verbindung mit Nostalgiefahrten von Dampfzügen Romanshorn-Buchs-Montafon
  • - Nachdem bereits die Lokremisen in St. Gallen und Will für kulturelle Nutzung zweckentfremdet wurden, bildet die Lokremise Buchs eine der letzten Chancen in der Ostschweiz, eine solche historische Anlage in ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung der Nachwelt zu erhalten
  • - Zusätzliche Aufwertung und Attraktivitätssteigerung des Buchser Bahnhofs (Buchs Marketing)
  • - Historische Bedeutung Grenzbahnhof Buchs (Buchs dank Bahnhof zur regionalen Metropole geworden, Tor zum Osten, Flüchtlingsaufnahme, Rotkreuzlieferungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Orientexpress, Umsteigeort von Kaiser Karl, Albert Einstein und anderen berühmten Persönlichkeiten)
  • - Passt zu Buchs als Energiestadt (öffentlicher Verkehr, Visionen und Zukunftspläne öffentlicher Verkehr)
  • - Mind. 5 historische Dampflokomotiven, die gegenwärtig in verschiedenen Provisorien untergebracht sind, könnten hier zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (inkl. „Tigerli", das ohne Überdachung längerfristig der Zerstörung preisgegeben ist)
  • - Länderübergreifendes Modellprojekt CH-FL-A
  • - Erweiterungsmöglichkeiten: Eisenbahngeschichte (z.B. Pläne SBB-Linie Buchs-Toggenburg), reichhaltiges Bild- und Dokumentationsmaterial vorhanden, Angebote für Kinder (Spielbahn), Kleinanlässe rund um die Bahngeschichte, temporäre Ausstellungen zur Lokal- und Eisenbahngeschichte, Galerie
  • - Mögliche Partner: Eisenbahnamateure, Modelleisenbahn
  • - Geringe Investitionen notwendig, weil möglichst alles in der bisherigen Form erhalten bleiben und möglichst wenig verändert werden soll