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Eine kapitalistische Welt

Die Güter fliessen nicht dorthin, wo die Menschen sie brauchen, sondern dorthin, wo es genug Menschen gibt, die sie sich kaufen können

April 2008: Die weltweite dramatische Verteuerung von Grundnahrungsmitteln wie Reis und Weizen bedroht nach Einschätzung der Weltbank gegen 40 Länder. Verantwortlich für die Verteuerung und für die Lebensmittelverknappung sind gemäss Entwicklungshilfeorganisation Oxfam in erster Linie die reichen Länder, weil sie ihre Hilfskredite an die ärmsten Länder gekürzt und zugleich den Anbau von Nahrungsmitteln zum Zweck der Agrartreibstoff-Produktion gefördert haben. So müssen die ärmsten Menschen in Afrika heute bereits 50 bis 75 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Die Preise dafür sind innerhalb eines Jahres um 57 Prozent gestiegen. Für die Tankfüllung eines grossen Geländewagens mit 100 Litern Ethanol-Treibstoff müssen 240 Kilo Mais angebaut werden - eine Menge, von der sich ein Mensch ein ganzes Jahr lang ernähren könnte. "Während sich viele in Europa und den USA um einen sollen Tank sorgen", so der amerikanische Weltbank-Direktor Robert Zoellick, "kämpfen andere im Rest der Welt darum, ihre Mägen zu füllen. Und mit jedem Tag wird das noch schwieriger."

Quelle: Tages-Anzeiger, 14.4.2008

Die Folgen des kapitalistischen Wachstumszwangs, die Klimaerwärmung, eine Selbstzerstörungslogik wider alle Vernunft...

US-Wissenschaftler haben berechnet, dass infolge der von steigenden Temperaturen und zunehmender Austrockung der Böden verursachten Verringerung der weltweiten Ernteerträge gegen Ende des Jahrhunderts die Hälfte der Erdbevölkerung von Hungersnöten bedroht sein könnte.

Quelle: Tages-Anzeiger, 9.1.2009  

Weltweite Flüchtlings- und Migrationsströme: Je schlimmer der Kapitalismus wütet, umso drohendere Ausmasse nehmen sie an

März 2005. Ein besonders krasses Beispiel der Instrumentalisierung und Entwürdigung von Flüchtlingen: Australien erwägt die Entlassung von rund 30 abgewiesenen irakischen und iranischen Asylsuchenden aus Internierungslagern. Begründet wird die vorgesehene Freilassung damit, dass diese Flüchtlinge inzwischen zum Christentum konvertiert seien. (Und da behaupte noch jemand, der Islam hätte den Krieg der Religionen entfacht!)

Quelle: Tages-Anzeiger, 22.3.2005 

Der Krieg gegen den "Terror" und das "Ende des Rechtsstaats", Kapitalismus als Diktatur in anderer Form

Februar 2006. Wie sehr der Krieg gegen den "Terrorismus" - was immer man darunter versteht und wer immer das aufgrund welcher Kriterien auch immer definiert - bisher allgemein anerkannte Grundprinzipien westlich-demokratischer Rechtsstaatlichkeit auszuhöhlen beginnt, führt Jean-Claude Paye in seinem im Rotpunkt-Verlag erschienenen Buch "Das Ende des Rechtsstaats - Demokratie im Ausnahmezustand" aus. Auf diese Weise, so Paye, werde der Kriminalisierung politischer oder sozialer Bewegungen Tür und Tor geöffnet. Denn unter dem Deckmantel der "Terrorismusbekämpfung" würden die Kontrollmöglichkeiten der Polizei - auf Kosten der Justiz - in Bezug auf Internet-, E-Mail- und biometrische Überwachung laufend erweitert.

Quelle: Wochenzeitung, 16.2.2006

Zusammenbruch des Kommunismus: die Folgen

April 2008: In zahlreichen osteuropäischen Ländern äussert sich der Unmut der arbeitenden Bevölkerung über die wachsende Kluft zwischen steigenden Lebenskosten und stagnierenden Löhnen immer öfters in Streiks und Protestaktionen, so etwa in Rumänien, Tschechien und Ungarn. In Bulgarien demonstrieren 3000 Stahlarbeiter, weil ihre Lohnzahlungen für eine Dauer von bereits zwei Monaten ausstehen.

Quelle: Tages-Anzeiger, 16.4.2008

Tödliches Showbusiness: Bis sie tot von der Bühne fallen...

19. April 2010: Unmittelbar nach ihrem Konzert in Zürich wird Rihanna in die Notaufnahme der Klinik Hirslanden gebracht. Kurz vor drei Uhr verlässt sie die Klinik und wird zum Bus gebracht, der sie nach Lyon fährt, wo sie gleichentags ihren nächsten Auftritt hat. "Dass die nach einem solchen Konzert mit so vielen Tanzeinlagen und Kostümwechseln halb tot ist, ist ja klar", meint eine junge Konzertbesucherin. Und Rihanna selber sagte in einem Interview anlässlich des Beginns ihrer Tournee: "Wir haben noch nie eine Tour von dieser Kapazität gehabt. Die Produktion und die Outfits sind so unglaublich. Das ist ein ganz neues Level. Wir wachsen über uns hinaus."

Quellen: Tages-Anzeiger, 22.4.2010; Glanzundgloria, SF 1, 21.4.2010

Im Januar 2010 muss Lady Gaga mehrere Shows infolge von Erschöpfungszuständen absagen. Eines ihrer Konzerte überlebt sie mehr tot als lebendig: Dreimal kurz vor einer Ohnmacht, vermag sie sich gerade noch rechtzeitig hinzulegen und auf dem Boden liegend weiterzusingen, denn sie würde "lieber auf der Bühne sterben als diese wegen eines Schwächeanfalls verlassen". Kein Wunder, sind ihre Kräfte am Ende: In nur zehn Monaten hat sie auf ihrer aktuellen Welttournee - nebst tausenden anderen Verpflichtungen rund um die Uhr - nicht weniger als 100 Shows zu bewältigen, in denen jedes Mal das Letzte von ihr abverlangt wird. (Die Stars des internationalen Showbusiness, je populärer, umso härter die Daumenschrauben, die man ihnen anlegt, um auch noch das Äusserste an Profit aus ihnen herauszuschinden. Bis sie buchstäblich tot von der Bühne fallen...)

Quelle: www.celebrity-ch.de, 25.3.2010


21.11.2009: Daul Kim, 20jähriges koreanisches Topmodel, dem eine internationale Traumkarriere vorausgesagt wurde, hat sich in ihrer Pariser Wohnung erhängt. Gemäss südkoreanischen Blogs soll Kim dem Druck der Modewelt nicht standgehalten haben. In ihrem eigenen Blog schrieb sie am 30. Oktober, sie sei deprimiert und überarbeitet, sie fühle sich wie ein Geist. (Models, Pop- und Filmstars im zunehmend globalisierten Showbusiness von heute teilen das Schicksal mit den Arbeiterinnen und Arbeitern in den kapitalistischen Fabriken und auf den kapitalistischen Plantagen: Ausbeutung ihrer ökonomischen "Verwertbarkeit" bis zum Äussersten - wenn man sie nicht mehr braucht, wirft man sie fort wie leere Bierdosen....)

Quelle: Tages-Anzeiger, 21.11.2009

Erziehung zum Kapitalismus mit der Muttermilch...

Januar 2006: Kostenlose Kurse für die Kinder von Millionären bietet neuerdings eine belgische Bank an. Wer mindestens eine Million Euro bei dem Kreditinstitut angelegt hat, kann seinen Nachwuchs zu dieser Ausbildung schicken.
Bereits im Grundschulalter werden die Millionäre in spe dazu angehalten, "Freunde im gleichen Milieu" zu finden. Im Alter von 12 bis 18 folgen dann Anlagespiele und Unternehmertests...

Quelle; Tages-Anzeiger, 5.1.2006

April 2005: In Wannado City, einem Vergnügungspark in Florida, können Kids, indem sie Manager, Ärzte und Banker spielen, den kapitalistischen Berufsalltag live erleben...
In Wannado City tun schon Fünfjährige, als seien sie Grosse. Sie haben Sparbücher und legen ihren Zahltag auf ein zinstragendes Konto der State Farm Bank. "Geld", sagt der Park-Erfinder Luis Javier Laresgoiti, "ist der Treibstoff, der alles bewegt."
Aren wählt seine Jobs mit einem Auge auf den Kontostand aus. Bei zwei offenen Stellen wählt er jene, die mehr einbringt - zur Freude seiner Mutter: "Kinder haben hier die Möglichkeit, das reale Leben zu testen.. So begreift Aren den Wert des Geldes."
Wannado City ist die erste von zehn Kinderstädten, die in den USA realisiert werden sollen.
Die Sponsoren, wie etwa Coca-Cola, erhalten spezielle Kommunikationskanäle zu den Kindern. Begründet wird das von Laresgoiti so: "Je echter ein Rollenspiel, desto grösser fällt der Lerneffekt aus. Echte Marken gehören eben dazu."

Quelle: Cash, 14.4.2005